Paulchen & Pauline

Katze

Das kleine Mädchen entfernte sich vom Elternhaus, ging den Berg hinab, durch die winterliche Landschaft. Vorbei an beleuchteten Tannen und geschmückten Häusern.

Lieblich zärtliche Flötentöne kamen aus einem weihnachtlich bekränzten Fenster und durchdrangen die Dämmerstunde. Sie blieb stehen und lauschte diesen wohltuenden Klängen. Diese Musik in der so viel Liebe, so viel Sensibilität mitschwang machte das Mädchen noch trauriger. Noch viel, viel trauriger. Nun liefen die Tränen wieder schneller aus ihren dunklen Augen und über die Wangen, die sonst rosig zu sein schienen.

Eigentlich wusste das Kind nicht recht wo es hin wollte. Dann aber beschloss es den Adventmarkt unten in der Ortsmitte zu besuchen. Es war immer so schön, die Goldsterne zu betrachten, die am großen Christbaum am Markt angebracht waren. Sie glitzerten und leuchteten bei sternklarer Nacht den ganzen Berg hinauf, bis hinein in ihr Zimmer. Heute wollte sie sich diese Sterne aus der Nähe ansehen.

Am Marktplatz angekommen, war das Mädchen kurzfristig schon sehr begeistert. Glitzern und funkeln, soweit das tränennasse Auge reichte. Der Duft von Punsch, Lebkuchen und gebrannten Mandeln stieg ihr in die Nase. Aber alles das konnte nicht dazu beitragen, dass es in ihrem kleinen Herzen weihnachtlich wurde.

Nun war sie bei einer großen Krippe angekommen. Oh wie sehr staunte sie nun. Es waren keine Krippenfiguren darin, sondern, Maria, Josef und die Hirten wurden von echten Menschen dargestellt und auch Ochs und Esel waren leibhaftige Tiere. Ein Hirte nahm den Esel beim Halsband und führte ihn zu ihr hin. „Komm Mädchen fühle das weiche Fell von diesem kleinen Kerl. Das ist so kuschelig, das wird dich erfreuen!“ sagte der Hirte. Jetzt kullerten wieder die Tränen und das Mädchen zog ihre Hände schnell zurück.

Sie ging weiter. Bei einem Maronistand angekommen, versteckte sie sich hinter diesem und beobachtete das Geschehen aus sicherer Entfernung. In diesem Moment traf der heilige Nikolaus mit Pferdegespann am Marktplatz ein. Er saß in einer goldenen Kutsche und sein Gewand war über und über mit Perlen bestickt, er trug seine edle Mitra erhaben und sein goldener Bischofsstab schimmerte im Lichterglanz des Marktes. Oh´ war dies herrlich anzusehen. Nun wurden die Kinder von ihm reichlich beschenkt. Äpfel, Nüsse, Feigen und so manche Süßigkeit verteilte der gute Mann an die Kinder. Die ihm, als Dank für die Gaben das Lied „ich gehe mit meiner Laterne“ sangen. Dann verabschiedete sich der Nikolo und bestieg wieder seine güldene Kutsche. Jedoch, er verließ nicht den Adventmarkt wie man erwarten konnte. Nein, das tat er nicht, sondern er ließ die Pferde beim Maroniverkäufer anhalten und zwar genau dort, wo sich das kleine Mädchen versteckte.
Dann stieg er aus und trat an sie heran. Nahm sie bei der Hand und sprach: „Mein liebes Kind, ich habe dich die ganze Zeit beobachtet und mich gewundert, weil du dich nicht all den anderen Kindern angeschlossen hast, als ich meine Geschenke verteilt habe! Warum bist du denn hier ganz alleine?“ „Weil ich so unendlich traurig bin lieber Herr Nikolaus!“ Sprach das Mädchen artig. „Ich bin doch der heilige Nikolaus und will den Kindern Freude machen. Magst du mir vielleicht erzählen, warum du so traurig bist. Gerne will ich dir helfen, falls ich etwas für dich tun kann. Komm steig mit mir in die Kutsche, dort ist es gemütlich und erzähle mir deinen Seelenschmerz!“ Rasch kletterte das Mädchen in die Kutsche und für einen kurzen Moment sah es so aus, als begannen ihre Augen zu leuchten. Auch ihre Wangen bekamen etwas Farbe. Der Nikolaus wickelte sie als Schutz vor der Kälte in eine Decke ein.
„Weißt du Nikolaus, mein Kätzchen ist vor ein paar Tagen gestorben. Sie hieß Pauline und ich haben sie so lieb. Ich kann ohne sie nicht leben. Es macht mich so traurig. Ich kann nur an Pauline denken. Immer und immer wieder.“ Aufmerksam hörte Bischof Nikolaus zu. „Mein liebes Kind, das ist natürlich sehr, sehr bedauernswert und ich kann dich gut verstehen. Ich kann mir vorstellen, dass dein Leben nun gar nicht schön ist, ohne Pauline. Du warst doch ganz bestimmt in all den Jahren eurer Freundschaft eine gute und fürsorgliche Katzenmama.“ Das Mädchen nickte und weinte still vor sich hin. „ Möchtest du denn wieder ein Kätzchen haben? Fragte der Nikolaus. „ Ja das möchte ich, lieber Nikolaus, ja, ja, ja bitte!“ Aber dann wurde sie wieder traurig und sprach: „ Nikolaus, aber du hast doch auch kein Kätzchen für mich – oder?“ „Nein Liebes, das habe ich nicht. Aber ich kenne ein Haus, in dem viele Katzen wohnen. Das sind alles Tiere die kein richtiges Zuhause haben. Ich meine, die haben keine Familie in der sie glücklich und geborgen sein können. So glücklich und geborgen, wie Pauline es bei dir und in eurer Familie war.“ „Nikolaus, meinst du etwas das Tierheim? „Ja genau das meine ich und wenn du möchtest, dann fahren wir jetzt mit der Kutsche und den Pferden dorthin und sehen nach, ob es ein Kätzchen für dich gibt.“ „Oh ja Nikolaus, da gibt es bestimmt ein Kätzchen für mich. Stell dir vor, Pauline kam auch aus dem Tierheim!“ Die Pferde setzten sich in Bewegung und in hurtiger Fahrt, im sanften Lichtschein der Laternen trabten die Rösser voran.

Im Tierheim angekommen, staunten die Mitarbeiter nicht schlecht, als der leibhaftige Nikolaus mit Florentine, bei der Herfahrt, hatte das Mädchen dem Nikolaus ihren wunderschön blumigen Namen anvertraut, um Einlass baten.
„ Ich möchte ein Kätzchen! Vom Nikolaus bekomme ich eins!
Wo sind sie denn!“
Rief Florentine aufgeregt.

Es dauerte nicht lange und das Kind hatte sich ein herziges, flauschiges Wollknäuel auf vier Pfoten ausgesucht. Die Mitarbeiterin sagte: „Florentine das ist ein kleiner Katzenjunge und ich bin mir sicher, dass du eine sehr liebevolle Katzenmami sein wirst. „Ja das wird sie ganz bestimmt“ antwortete der Nikolaus und lächelte fröhlich nun war auch in seinen Augen ein Leuchten zu sehen und eine Freudenträne glitzerte im Augenwinkel. „Nikolaus, ich werde ihn Paulchen nennen“ sagte Florentine und drückte ihn ganz fest an ihr Herz. „Da hast du dir aber einen schönen Namen ausgesucht“, antwortete dieser. Nun kletterten sie glücklich in die Kutsche und verschwanden in der Winternacht ….

© Monika-Maria Ehliah Windtner 2oo9

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9 Gedanken zu „Paulchen & Pauline

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