… the day after …

 

Gemüse verseucht

 

*Mädchen, komm zu mir in den Garten. Ich hab für dich aus dem Frühbeet süße, zarte Karotten, Schnittlauch und frischen Häuptelsalat. Hole dir das bitte ab. Du bist  schwanger und sollst nur das Gesündeste essen.*

Das waren die Worte einer mir sehr lieben, älteren Dame, die diese am Telefon zu mir sprach. Ich freute mich und versicherte ihr am nächsten Tag zu ihr in den Schrebergarten zu kommen um eben Besagtes mit Freude in Empfang zu nehmen.

Gesagt, getan! Ich holte mir das köstliche Gemüse bei der netten, fürsorglichen Dame ab. Transportierte es in meinem selbst geflochtenen Gemüsekorb nach Hause, mein Herz erfreute sich daran.

Als ich mich unserem Haus näherte, sah dies eine meiner Nachbarinnen. Sie stand auf ihrem Balkon und rief zu mir herab. *Warten sie an der Haustüre auf mich. Ich muss ihnen ganz was Wichtiges sagen, ich komme hinunter zu ihnen.*

Im Laufschritt eilte diese zu mir und sagte ganz aufgeregt: * Wo haben sie denn das Gemüse her.* Erstaunt war ich über diese Frage sehr, gab ihr aber dennoch Auskunft.

*Sie rief, geben sie das Gemüse sofort in den Biomüll und essen sie keinen Bissen davon. Das ist total verstrahlt!* *Total verstrahlt? Was meinen sie damit.*

In den Nachrichten wurde gemeldet, dass aus einem Atomkraftwerkreaktor radioaktive Strahlen ausgetreten sind und dass schwangere Frauen auf keinen Fall Gartengemüse jetzt essen dürfen!*

Gut, diese Information traf mich wie ein Blitz. Auch deswegen, weil ich momentan total überfordert war und eigentlich in keiner Weise wusste, wie ich mich verhalten sollte.

Ich war mehr als durcheinander. Ja, durcheinander. Dazu gesellte sich relativ rasch intensive Angst hinzu. Angst um mein ungeborenes Kind, Angst um meine Gesundheit, um die Gesundheit meiner Liebsten und Lieben.

So wie es mir erging, erging es unzähligen Mitmenschen. Besonders Frauen die Babys erwarteten, oder gerade erst geboren hatten. Wir wurden alleine gelassen. Unaufgeklärt, einsam, ängstlich und oftmals sogar als *hysterische Weiber* beschimpft.

Das Einzige was an diesen Tagen, in dieser Zeit perfekt funktionierte war, vertuschen und bagatellisieren.

Was damals mit der Bevölkerung gemacht wurde, kann ich nicht als verantwortungslos erkennen, sondern als kriminell. Ganz bewusst bezeichne ich diese Vertuscher, Bagatellisierer, Schönredner, als kaltblütige Verbrecher.
Die Ausrede, dass man damals noch nicht erahnen konnte wie lebensbedrohend Atomenergie sei, kann und will ich nie und nimmer gelten lassen, denn, es ist schlichtweg eine Lüge!

© Monika-Maria Ehliah Windtner
27. 4. 2o16

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3 Gedanken zu „… the day after …

  1. Arno von Rosen

    Liebe MM, es stimmt leider was du sagst. Wieder ging es nur ums Geld. All die Prognosen von der Unfehlbarkeit eines AKWs waren pure gekaufte Augenwischerei, ebenso wie die „Endlagerung“ des ganzes Mülls. Selbst wenn es in Deutschland nie einen GAU geben sollte, werden uns die Strahlungsreste noch tausende Jahre belasten und uns in Angst halten. Natürlich wird irgendwann ein Schlaumeier behaupten, dass diese Folgen nie absehbar waren, obwohl es große Teile der Bevölkerung bereits absehen konnten, nur nützt es dann niemandem mehr etwas. Ist unser Grundwasser und unsere Böden erst einmal verstrahlt (und das wird passieren in den vielen Jahrhunderten), müssen wir uns über den Klimawandel keine so großen Sorgen mehr machen, denn dann wird unser Land unbewohnbar, dank des tollen billigen Atomstroms, der nie billig war.

    Antwort

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