Begegnungen am Wegesrand

Bank in der Morgensonne Schrebergärten

Begegnungen mit Herrn L.

Kurze Wortwechsel. Ein paar Freundlichkeiten, vielleicht auch nur Floskeln, oder einen kleinen Scherz, im Vorübergehen ausgetauscht. Das war vor fünf Jahren.

Seither begegnen einander fast täglich bei unseren Spaziergängen.

Direkt auf dem Weg, oder auf einer Bank. Nicht auf irgendeiner Bank. Nein, sondern auf *unserer* Bank. Wer als erstes dort ankommt, nimmt Platz, wartet auf den Anderen. Sogar unser Tobi geht in der warmen Jahreszeit nie an dieser Bank vorbei, ohne mich aufgefordert zu haben dass wir uns hinsetzen sollen. Meist müssen wir nicht lange warten auf unseren lieben Freund, oder dieser ist schon vor uns angekommen. Nach der Begrüßung bei der wir uns immer die Hand schütteln, zieht er einen Sitzpolster aus der Jackentasche, streicht mit seiner Hand über die Sitzfläche, legt sein Pölsterchen drauf, setzt sich hin.

Meist sitzen wir einige Minuten schweigend nebeneinander. Seine Energie zu spüren ist angenehm. Er strahlt so viel Gutes aus. Weisheit, Verständnis, Verstehen, Liebe, Respekt, Frohsinn und Vertrauen.
Etwas später, seine Frage an mich: *Soll ich ihnen etwas erzählen?* *Ja, bitte, sehr gern!*, gebe ich zur Antwort. Häufig ist seine nächste Frage an mich: * Habe ich ihnen schon erzählt warum ich fast blind geworden bin?* *Nein, das haben sie noch nicht erzählt, das interessiert mich sehr!* Dann erzählt er die Ereignisse wie es eben dazu kam. Ich sitze neben ihm, lausche, höre seiner melodischen Stimme zu. Für mich ist das angenehm. Meditativ. Auch Tobi fühlt sich wohl und nimmt meist zwischen uns Platz. Hin und wieder streicht seine braun gebrannte, mit Falten überzogene Hand zärtlich über Tobis Fell. Ein breiter, goldener Ehering ziert den Rindfinger seiner rechten Hand. *Wollen sie den Wetterbericht wissen?*

*Klar, der interessiert mich doch sehr!* *Gut dann sage ich ihnen wie das Wetter wird. Das habe ich im Radio gehört. Fernsehen kann ich nicht, weil ich doch fast blind bin.*

Manchmal holt er aus seiner Jackentasche Zettel in A3 Format heraus. Er faltet diese auseinander und erzählt mir, dass er täglich vier Sudoku-Rätsel löst. Dass seine Tochter diese auf das große Format vergrößert damit er alles lesen kann mit seinen trüben Augen.
*Habe ich ihnen schon einmal erzählt wie ich meine Frau kennen gelernt habe?* *Nein, das interessiert mich, bitte erzählen sie!* Ich erfahre jedes kleinste Detail vom kennenlernen bis zur Hochzeit und welch unbeschreiblich großes Glück es war, dass sie sich begegnet sind. Er erzählt, dass seine Frau den allerschönsten Garten hat, diesen pflegt und hegt. Er erzählt und erzählt und erzählt. Und ich lausche, antworte hin und wieder und erfreue mich an den Berichten dieses liebenswerten Mannes. *Habe ich ihnen schon gesagt, dass ich im Mai meinen 91er gefeiert habe?* Ich wünsche nur das Beste und noch viele, viele Begegnungen.
Danke!

Mit lieben Grüßen in den Sonntagabend
Monika-Maria

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6 Gedanken zu „Begegnungen am Wegesrand

  1. Marina Kaiser

    sind DAS rührende Begebenheiten, liebe Monika Maria,
    hab Dank, dass du sie hier mit uns teilst und damit einen Strahl Herzenswärme rüber fließen lässt. Noch viele solcher segensreichen Begegenungen wünscht dir (und uns allen) mit Herzensgrüßen
    Marina

    Antwort
    1. Monika-Maria Ehliah Autor

      Meine liebe Marina –
      ich grüße dich und danke dir.
      Fürs Lesen, Einlassen,
      für deine Worte und heil-SAMEN Wünsche.
      Solche Begegnungen,
      derer ich wahrlich viele habe sind für mich segens-REICH und Be-REICH-ernd.
      sie sind still, warm, liebenswert.
      Ich schicke dir ALL-es was deine Seele braucht mit
      einer innigen HERZ-ens-Umarmung.
      M.M.

      Antwort
  2. Dieter

    Zum Glück trifft man immer wider auf solche Menschen und da ist es sehr wichtig, nicht daran vorbei zu gehen. Unsere tierischen Freunde haben oft ein feines Näschen dafür und führen uns zu vielen solchen Momenten, ist zumindest mein Gefühl.
    Wünsche einen schönen entspannten Sonntagabend
    VG Dieter

    Antwort
    1. Monika-Maria Ehliah Autor

      Hallo Dieter ich grüße dich und
      will dir aus vollstem Herzen zustimmen, denn so ist es.
      Hab es gut bleib gesund.
      Wünsche dir eine angenehme Nacht nach einer eher unruhigen.
      GLG M.M.

      Antwort

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